Von Inspiration zu Motivation: Der Neustart-Effekt. 

Das Jahr 2021 neigt sich dem Ende zu und das neue Jahr steht bevor: 2022. Damit einher geht für viele von uns auch der Wunsch nach Veränderung, den wir dann hoffnungsfroh in unseren Neujahrvorsätzen festhalten.

Die meisten Menschen fassen dabei ähnliche Vorsätze. Heutige Vorsätze beinhalten zeitgemäße Ziele wie z. B. häufiger „Nein“ zu sagen, um übermäßige Verpflichtungen zu vermeiden oder die Nutzung von sozialen Medien oder die Bildschirmzeit allgemein einzuschränken (Stichwort Digital Detox). Die Klassiker sind jedoch immer noch Ernährung, Sport und Geld.

Das Phänomen, den 1. Januar als Marker für Veränderungen zu nutzen, ist weit verbreitet. Aber wie erklärt sich unser Wunsch, genau dann etwas (oder meist alles) radikal ändern zu wollen?

Eine Studie von Hengchen Dai et al. (2014) mit dem Titel „The Fresh Start Effect“ (Der Neustart-Effekt) zeigt, dass zeitliche Meilensteine wie ein neues Jahr, ein neuer Monat, ein neuer Geburtstag oder sogar ein neues akademisches Semester neue „mentale Buchhaltungsperioden“ schaffen, die vor allem zwei Zwecke erfüllen: Die Schaffung von Abstand zwischen der Gegenwart und der Vergangenheit und die Anregung zu einer umfassenderen Lebenssicht:

Mentale Buchhaltungsperioden, die durch zeitliche Orientierungspunkte voneinander getrennt sind, schaffen eine psychologische Distanz zu unseren vergangenenen Unvollkommenheiten und ermutigen uns, unser Verhalten an ein neues, positives Selbstbild anzupassen.

Außerdem unterbrechen zeitliche Orientierungspunkte unsere tägliche Routine und geben uns die Möglichkeit, unser Leben aus einer Gesamtperspektive zu betrachten, was uns wiederum in die Lage versetzen kann, mehr Zeit und Mühe auf das Erreichen unserer Ziele zu verwenden.

Wenn es darum geht, sich Ziele zu setzen, bietet jedes neue Jahr also eine neue Gelegenheit. Offenbar ist der Beginn bestimmter Zeiträume eine gute Gelegenheit, wieder in Ziele zu investieren, weil sie zumindest einen vorübergehenden Schub an Willenskraft bringen.

Doch wenn wir ehrlich, lassen die meisten von uns lediglich die nicht eingehaltenen Versprechen und unerfüllten Ziele des letzten Jahres wieder aufleben. Immer wieder machen wir uns auf die gleiche Reise auf (und glauben ernsthaft, dass dieses Mal alles anders wird).

Wie können wir also diesen Motivationsschub nutzen ohne nach ein paar Tage oder Wochen zurück in unsere alten Muster zu fallen und aufzugeben? Mit andern Worten – wie gelingt es uns unsere Ziele auch langfristig zu verfolgen?

 

Hier sind unsere Tipps:

Take life on life’s terms – one day at a time. And have fun while you’re doing it. Joe Perry

  1. Eins nach dem anderen

Ungesunde Verhaltensweisen entwickeln sich im Laufe der Zeit. Daher braucht es Zeit, um ungesunde Verhaltensweisen durch gesunde zu ersetzen. Du musst nicht dein ganzes Leben umkrempeln und neu bewerten. Das führt nur zur Überforderung. Arbeite stattdessen daran, eine Sache nach der anderen zu ändern.

Fasse Vorsätze, von denen du glaubst, dass du sie einhalten kannst. Wenn du beispielsweise häufiger Sport treiben willst, plane zwei oder drei Tage ein, statt sieben. Oder wenn du eine regelmäßige Meditationspraxis aufbauen möchtest, fange mit 5 Minuten an.

(Literaturtipp: Atomic Habits von James Clear)

 

Sticking to good habits can be hard work, and mistakes are part of the process. Don’t declare failure simply because you messed up or because you’re having trouble reaching your goals. Instead, use your mistakes as opportunities to grow stronger and become better. Amy Morin

  1. Lernprozess statt Perfektion

Perfektion ist unerreichbar. Denke daran, dass kleinere Fehltritte beim Erreichen deiner Ziele völlig normal und in Ordnung sind. Gebe nicht gleich alles auf, nur eine Woche lang nicht ins Fitnessstudio gegangen bist. Jeder Mensch hat Höhen und Tiefen; du scheiterst, wenn du deine Ziele erst gar nicht versuchst zu verwirklichen, oder wenn du einfach aufgibst. Nicht wenn du Rückfälle und Fehltritte hast. Diese gehören dazu und im bestenfall kannst du wertvolle Informationen daraus gewinnen.

 

Every successful individual knows that his or her achievement depends on a community of persons working together. Paul Ryan

  1. Die Kraft der Gemeinschaft

Teile deine Vorsätze und Erfahrungen mit Familie und Freunden. Du kannst dich einer Gruppe von Kollegen anschließen, die mit dem Rauchen aufhören. Oder dir professionelle Hilfe gönnen, um deine Ziele zu erreichen: z. B. einen Meditationskurs, ein Coaching, ein Trainingskurs in deinem Fitnessstudio. Wenn du jemanden hast, mit dem du deine Ziele, deine Schwierigkeiten und Erfolge teilen kannst, wird dein Weg zum Ziel einfacher und weniger einschüchternd.

 

Try new things, step out of your comfort zone, take risks, do things in ways you’ve never done them before, ask for help, surround yourself with self-actualized people, become obsessed with the fact that you have one go-round on this planet as the you that is you, and realize how precious and important it is not to squander that. Jen Sincero

  1. Um Hilfe bitten

Vielen von uns fällt es schwer uns Unterstützung zu holen und diese dann auch anzunehmen. Hilfe von Menschen anzunehmen, die sich um dich sorgen und dir zuhören, stärkt deine Widerstandsfähigkeit und deine Fähigkeit, den durch deinen Vorsatz verursachten Stress zu bewältigen. Wenn du dich überfordert fühlst oder nicht in der Lage bist, deine Ziele aus eigener Kraft zu erreichen, solltest du dir professionelle Hilfe suchen. Psychologen sind besonders geschult darin, die Zusammenhänge zwischen Geist und Körper zu verstehen. Sie können Strategien anbieten, wie du deine Ziele so anpassen kannst, dass sie erreichbar sind, und dir helfen, ungesunde Verhaltensweisen zu ändern und emotionale Probleme anzugehen.